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Stall des Jahres: Hengsthaltung auf Gut Schönweide
Ein Zuhause für starke Charaktere
Sie gehen voran und zeigen eindrucksvoll, wie moderne Hengsthaltung gelingen kann: Mit viel Bewegung, Sozialkontakten und einer konsequent vom Pferd aus gedachten, artgerechten Haltung. Dafür wurde Gut Schönweide aus Grebin in Schleswig-Holstein vom Pferdesport Deutschland Club mit dem Titel „Stall des Jahres 2026“ ausgezeichnet. Ein Blick hinter die Kulissen.
Wer Gut Schönweide einen Besuch abstattet, ist beeindruckt von der ruhigen Atmosphäre, die selbst im Stall der Deckhengste herrscht. Foto: Stefan Lafrentz
„Follow Him´s Schönweide“ und „Tesoro“ stehen nebeneinander in ihren Boxen. Ruhig strecken sie ihre Köpfe durch das Sozialgitter, beginnen sich gegenseitig am Hals zu kraulen und genießen sichtlich die Nähe zueinander. Kein Imponiergehabe, keine Nervosität. Nur zwei Pferde, die Sozialkontakt leben dürfen.
Die Suche geht weiter
Auch für 2027 sucht der Pferdesport Deutschland Club gemeinsam mit seinen Wettbewerbspartnern wieder einen Stall des Jahres. Betriebe können sich ab sofort über ein kurzes Online-Formular hier bewerben.
Das Beste: Jeder Teilnehmer ist schon ein Gewinner und profitiert vom Bewerbungsprozess durch kostenlose fachliche Rückmeldungen, neue Impulse und Austausch mit der Fachjury.
Durchdachtes Pferdewohl
Wer einen Hengstbetrieb besucht, erwartet oft gespannte Atmosphäre, hohe Zäune und viel Distanz zwischen den Tieren. Auf Gut Schönweide erlebt man das Gegenteil. Die acht Zuchthengste der Deckstation wirken ausgeglichen, aufmerksam und zufrieden. Sie leben in großzügigen Paddockboxen und haben stets freien Zugang zu Heu aus eigenem Anbau. Täglich geht es raus auf die Weiden oder befestigte Winterausläufe und trotz aller notwendiger Sicherheitsvorkehrungen können sie Kontakt zu ihren Artgenossen aufnehmen. Es ist deutlich erkennbar, worum es auf Gut Schönweide geht: Auch Hengste sind soziale Herdentiere. Ihnen diese Bedürfnisse zu ermöglichen, erfordert Erfahrung, Vertrauen und ein durchdachtes Haltungskonzept.
Mehr als eine Hengststation
Seit dem Kauf des geschichtsträchtigen Anwesens durch Familie Gasser im Jahr 2016 verbindet Gut Schönweide moderne Pferdehaltung mit den Anforderungen einer professionellen Deckstation. Neben den Zuchthengsten leben hier Reitpferde, Jungpferde, Fohlen und Zuchtstuten – insgesamt ca. 35 Pferde. Jeder Bereich ist auf die jeweiligen Bedürfnisse der Pferde abgestimmt und dennoch Teil eines Gesamtkonzeptes, das Ruhe, Übersicht und Sicherheit ausstrahlt. Auch die Reitpferde leben in großzügigen Paddockboxen und genießen täglich freien Auslauf auf den Weiden bzw. Winterpaddocks. Bewegung, frische Luft und Sozialkontakt gehören selbstverständlich zum Alltag und bilden die Grundlage für ausgeglichene, leistungsbereite Pferde.
Alles für ein gesundes Pferdeleben
Für die Zuchtstuten und ihre Fohlen wurde ein eigener, ruhiger Stallbereich geschaffen. Große Boxen, teilweise als gemeinsame Laufställe, bieten den Mutterstuten die nötige Ruhe, um ihre Fohlen sicher aufzuziehen. Gleichzeitig haben die Fohlen ausreichend Platz, um ihre Umgebung zu erkunden, erste soziale Erfahrungen zu sammeln und sich in einem geschützten Umfeld zu entwickeln. Die Jungpferde wachsen möglichst naturnah auf. Getrennt nach jungen Stuten und Hengsten verbringen sie den Großteil des Jahres in festen Gruppen auf weitläufigen Weiden. Die gleichmäßige Bewegung im Herdenverband fördert eine gesunde Entwicklung von Knochen, Sehnen und Gelenken. Sie stärkt außerdem Sozialverhalten, Trittsicherheit, mentale Ausgeglichenheit und Stressresistenz und schafft damit beste Voraussetzungen für ein langes und gesundes Pferdeleben.
Großzügige Paddockboxen sind Standard auf Gut Schönweide. Foto: Pferdesport Deutschland
Jedes Pferd entscheidet selbst, wann es durch das Sozialgitter Kontakt zu seinen Nachbarn sucht. Bei der Boxenbelegung wird auf Sympathie der Pferde untereinander geachtet. Foto: Stefan Lafrentz
Der Gewinn
Als „Stall des Jahres 2026“ erhält Gut Schönweide einen Gutschein im Wert von 1.000 Euro gegeben von Wettbewerbspartner Großewinkelmann. Außerdem gibt es 1.000 in Bar vom Pferdesport Deutschland Club, einen professionell produzierten Film über die eigene Pferdehaltung sowie eine öffentliche Ehrung im Rahmen der Al Shira’aa Bundeschampionate.
Deckhengst Follow Up genießt den Freilauf auf der großzügigen Weide. Was wie im Paradies aussieht, ist für die Hengste auf Gut Schönweide Realität. Foto: Riikka Miettinen
Von Hengst zu Hengst: Follow Him´s Schönweide und Tesoro genießen den engen Kontakt, den die Sozialgitter in ihren Boxen ihnen ermöglichen. Foto: Stefan Lafrentz
Das Gesundheitsmanagement folgt einem klaren Konzept. Ein eigener Quarantänebereich ermöglicht die sichere Aufnahme neuer Pferde, gleichzeitig verzichtet der Betrieb bewusst auf Gaststuten. So werden Gesundheitsrisiken minimiert und höchste Hygienestandards gewährleistet. Dahinter steht ein erfahrenes Team, das die Pferde täglich gut beobachtet und individuell betreut.
Da ist´s gut Pferd sein!
Doch Gut Schönweide beeindruckt nicht allein durch Größe oder moderne Infrastruktur. Es ist die Atmosphäre, die den Betrieb besonders macht. Trotz der zahlreichen Pferde herrscht Ruhe. Die Abläufe wirken selbstverständlich, die Tiere gelassen. Man spürt, dass hier jeder Handgriff sitzt und gleichzeitig jedes einzelne Pferd wahrgenommen wird. Gerade die Hengste stehen dabei sinnbildlich für das Haltungskonzept. Tiere, die vielerorts aus Sicherheitsgründen isoliert werden, dürfen hier Sozialkontakt erleben, sich umfassend frei bewegen und ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Das Ergebnis sind ausgeglichene Pferde, die Vertrauen ausstrahlen und leistungsbereit sind. Und Menschen, die zeigen, dass professioneller Anspruch, Leistung und Pferdewohl im Einklang stehen.
Das Juryurteil
Die Jury aus namhaften Experten aus Tierschutz, Tiermedizin und Pferdehaltung zeichnet Gut Schönweide als Stall des Jahres 2026 aus, weil der Betrieb eindrucksvoll zeigt, wie die Haltung von Deckhengsten konsequent an den Bedürfnissen der Pferde ausgerichtet werden kann.
Besonders hervorgehoben werden:
→ großzügige Paddockboxen mit Sozialkontakt,
→ täglicher Weide- beziehungsweise Winterpaddockgang,
→ professionelles Hygiene- und Quarantänemanagement,
→ fachkundige Betreuung durch ein erfahrenes Team sowie
→ die Verbindung aus moderner Hengststation und artgerechter Pferdehaltung.
Dr. Christiane Müller, Jurymitglied und Sachverständige für Pferdehaltung, ordnet im Namen der Jury ein: „Wer die beiden Hengste beobachtet, wie sie sich durch das Sozialgitter gegenseitig kraulen, versteht sofort, warum Gut Schönweide ausgezeichnet wird. Dieser kleine Moment erzählt mehr über gute Pferdehaltung als viele Worte.”
Die Junghengste wachsen auf weitläufigen Weiden naturnah auf. Ideale Bedingungen, um sich gesund zu entwickeln. Foto: Riikka Miettinen
Gut Schönweide im Film
Neugierig geworden? Über die Hengsthaltung auf Gut Schönweide ist auch ein eindrucksvoller Kurzfilm entstanden, anzusehen hier.
Interview
„Manche Hengste suchen ganz bewusst die Nähe zueinander“
Große Sozialboxen, bei denen die Pferde umfassend Kontakt zu ihren jeweiligen Nachbarpferden aufnehmen und sich beispielsweise gegenseitig kraulen können, sind in der Pferdehaltung alles andere als Standard – für Deckhengste noch dazu. Oft bestehen Vorbehalte und Sorgen vor möglichen Verletzungsrisiken. Janis Geditzky ist Deckstellenleiter auf Gut Schönweide. Im Kurz-Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit dieser Form der Hengsthaltung.
Janis Geditzky ist Deckstellenleiter auf Gut Schönweide und betont, wie entspannt die Hengste durch die artgerechte Haltung mit viel Auslauf und Sozialkontakten seien. Foto: Riikka Miettinen
Pferd & Mensch: Viele verbinden Hengsthaltung mit Einzelhaltung, ohne ganz direkten Kontakt zu Artgenossen. Warum geht Gut Schönweide bewusst einen anderen Weg?
Janis Geditzky: Für uns steht eine artgerechte Haltung aller Pferde im Mittelpunkt. Davon nehmen wir unsere Hengste nicht aus. Sie haben ebenfalls ein natürliches Bedürfnis nach freier Bewegung und Sozialkontakt. Deshalb ermöglichen wir ihnen beides bestmöglich und unsere Erfahrungen zeigen, dass die Haltung dennoch für Pferd und Mensch sicher bleibt. Denn klar, auch das ist wichtig.
Pferd & Mensch: Was verändern die Sozialgitter und der täglich umfassende freie Auslauf im Alltag der Hengste?
Janis Geditzky: Wir merken deutlich, dass die Hengste dadurch ruhiger und ausgeglichener sind. Sie können sich frei bewegen, ihre Umgebung wahrnehmen und Kontakt zu anderen Pferden aufnehmen. Davon profitieren nicht nur die Pferde selbst: Auch der tägliche Umgang wird entspannter und es entsteht insgesamt ein ruhiges Miteinander im Stall.
Pferd & Mensch: Wie erleben Sie das Verhalten der Hengste untereinander?
Janis Geditzky: Da zeigen sich natürlich die unterschiedlichen Charaktere. Wie alle Pferde reagieren auch Hengste nicht auf jeden Artgenossen gleich. Umso schöner ist es zu beobachten, wenn echte Sympathien oder sogar Freundschaften entstehen. Manche Hengste suchen ganz bewusst die Nähe zueinander und pflegen diesen Kontakt, zum Beispiel, indem sie sich durch die Sozialgitter gegenseitig kraulen.
Pferd & Mensch: Gibt es Momente im Alltag, an denen Sie besonders merken: „Unser Konzept funktioniert.“?
Janis Geditzky: Eigentlich zeigt sich das in vielen, ganz alltäglichen Situationen. Unsere Hengste können beispielsweise ganz selbstverständlich nur am Halfter zur Deckstation geführt werden. Wir brauchen keine Hengstketten und keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Die Pferde sind klar im Kopf, gut ansprechbar und im täglichen Umgang gut zu händeln. Für uns ist das ein schönes Zeichen dafür, dass unser Konzept funktioniert.
Pferd & Mensch: Wie gewöhnen Sie einen neuen Hengst an diese Form der Haltung?
Janis Geditzky: Das hängt immer vom individuellen Pferd und natürlich auch davon ab, wie es bisher gelebt hat. Hengste aus unserer eigenen Nachzucht kennen Sozialkontakt und freie Bewegung von Anfang an. Die meisten unserer Deckhengste haben wir im Alter von 2 Jahren auf den Körungen gekauft. Wenn sie also von Anfang an unsere Haltung kennenlernen, ist dies auch später kein Problem. Außerdem schauen wir immer, welche Hengste gut zusammenpassen und miteinander harmonieren, und wechseln möglichst selten die Boxennachbarn. Nichtsdestotrotz gibt es auch selten Hengste, die auf etwas mehr Privatsphäre bestehen und deshalb keine Sozialgitter in der Box haben.
Cosima Meyer
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