Vorheriger Artikel

Ausgabe 09/2026
Titelthema: Altersgerechte Ausbildung junger Pferde

Nächster Artikel

Ausgabe 09/2026
WM Aachen 2026: Fazit im Interview 

WM Aachen 2026

Ein Pferdesport-Sommermärchen

Die Weltmeisterschaften 2026 sind Geschichte. Was bleibt, sind Erinnerungen an eine tolle Zeit: Es sind vor allem die Emotionen, die weiterleben. Nicht nur die großen goldglänzenden Momente, auch die kleinen Erfolge, persönlich übertroffene Erwartungen, die Stimmung vor Ort in den Stadien und am Rande der Strecken. Der Dank und die Wertschätzung den Pferden gegenüber. Aachen hat Werbung gemacht, für den Sport, der so viele Menschen begeistert. Für beste Bedingungen für die Pferde, deren Wohl trotz aller Erfolgsambitionen an erster Stelle steht. Ein Rückblick in Bildern, Worten, Emotionen und Randgeschichten.

„Die Kür war wie fliegen. Ich frage mich jedes Mal wieder, wo er das alles hernimmt, es war einfach ein fantastisches Gefühl.“ Für Raphael Netz war die WM sein erstes Senioren-Championat – und eines, bei dem er mit Great Escape Camelot die Erwartungen übertroffen hat. Foto: Sharon Vandeput/sportfotos-lafrentz.de

Foto: Stefan Lafrentz

„Denoix ist wirklich ein ganz besonderer Charakter.”

Die erste WM, ein wahrgewordener Traum. Mannschaftsgold, Erwartungen übertroffen. Die Kirsche auf der Torte: Bronze im Grand Prix Special – Katharina Hemmer hat mit Denoix PCH ihre erste Einzelmedaille gewonnen. Ihr Dank gilt ihrem Lehrmeister Hubertus Schmidt, dem gesamten Unterstützer-Team und natürlich ihrem Pferd: „Denoix ist wirklich ein ganz besonderer Charakter. Ich finde, er hat sich charakterlich verändert in den letzten Jahren. Mittlerweile ist er sehr menschenbezogen und genießt es, dass er behandelt wird wie ein König. Er lässt sich gern den ganzen Tag ein bisschen hofieren. Manche behaupten, ich sei seine persönliche Sklavin. Doch ich verbringe sehr gerne Zeit mit ihm und er wertschätzt das. Es ist jeden Tag meine größte Freude, ihn reiten zu dürfen und ich bin da unheimlich dankbar.“

„Ich kann es gar nicht beschreiben, ich fühle mich völlig überwältigt.“

Rein deutsches Podium beim Voltigieren in der Damenkonkurrenz. „Ich kann es gar nicht beschreiben, ich fühle mich völlig überwältigt“, freut sich Weltmeisterin Alice Layher nach der Entscheidung. Als letzte Starterin behält sie die Nerven – ebenso wie ihr Pferd FBW Candy, das unbeeindruckt von der Atmosphäre seine Kreise an der Longe von Daniel Zembrot zieht. So gelingen sämtliche turnerischen Höchstschwierigkeiten. „Sie ist wirklich ein ganz besonderes Pferd, ich kann ihr richtig vertrauen und dem Daniel auch. Die Kombination passt so gut und heute hat sich das auch nochmal richtig toll angefühlt.“ Die Athleten und auch die Zuschauer selbst waren indes alle schwer beeindruckt von der Atmosphäre im Stadion. Extrem stimmungsvoll, teilweise ausverkauft mit bis zu 6.500 Zuschauern – das sucht im Voltigieren seinesgleichen.

Foto: FEI/Daniel Kaiser

Foto: FEI/Leanjo de Koster

„FischerChipmunk ist einfach unglaublich.”

Es war unglaublich, die ganze Woche. FischerChipmunk ist einfach unglaublich. Ich habe so viel Respekt vor dem Pferd. Das ist unwahrscheinlich, wie er Dressur und Springen gehen kann, wie er im Gelände rennt, wie er zuhört, wie er die Nerven behält, obwohl er auch ein bisschen aufgeregt Ist. Er ist so sensibel, er fängt sofort ein bisschen an zu schwitzen, ist aber trotzdem super konzentriert und lässt sich toll reiten. Das ist gigantisch, wie er geht. Ich bin so dankbar, dass ich so ein Pferd reiten kann, das ist unglaublich!“, schwärmt der frischgebackene Weltmeister Michael Jung über seinen 18-jährigen „Partner in Crime“.

„Maximus ist 19 Jahre alt und einfach supersüß.”

Einmal dort reiten, wo die besten Reiterinnen und Reiter der Welt um Medaillen konkurrieren: Für 16 Kinder und Jugendliche und ihre Schulpferde ist dieser Traum bei der „100 Schulpferde plus Challenge“ im Rahmen der Weltmeisterschaften in Aachen Wirklichkeit geworden. Geritten wurde in zwei Abteilungen, die separat bewertet und platziert wurden. Siegerin in Abteilung 1 mit der herausragenden Wertnote 9,6: Anna Margareta Heinlein mit Schulpony Maximus vom Familien-Reiterverein aus Velbert, die gemeinsam mit Ausbilderin Britta Berse angereist war. „Also ich bin aufgeregt und ich freue mich aber auch echt, dass wir heute hier starten dürfen. Mein Pony ist Maximus und er ist 19 Jahre alt, und ich reite ihn jetzt schon ein Jahr lang. Er ist ein Fuchsschecke und einfach supersüß. Ich kann mit ihm ausreiten, Bodenarbeit machen, ganz normalen Reitunterricht nehmen und Turniere reiten. Das ist einfach besonders und er ist halt irgendwie mein Freund“, so die junge Reiterin im Vorfeld.

Foto: Pferdesport Deutschland

Foto: FEI/Leanjo de Koster

„Das ist eigentlich das Topping meiner Laufbahn mit diesem Pferd!”

Das ist ein wunderschönes Gefühl. Das ist eigentlich das Topping meiner Laufbahn mit diesem Pferd! Ich habe es mir gewünscht, und jetzt ist der Traum wahr geworden“, ist die an Multipler Sklerose erkrankte Heidemarie Dresing nach der Siegerehrung überwältig. Gold mit Poesie im Einzel in Grade II der Para-Dressur! Ganz leicht wurde es ihr nicht gemacht. Das erste Halten missglückte, Poesie lief zunächst nur rückwärts. „Das war so laut, da hat wohl jemand hinter der Kulisse irgendetwas weggeräumt, Poesie hat richtig Angst gehabt“, erzählt die Reiterin nach ihrem Ritt. „Zum Glück habe ich dann schnell ihr Vertrauen wiedergewonnen, weil ich sie inzwischen wirklich sehr gut kenne. Ich mache alles mit meinem Pferd: Ich reite sie nicht nur, sondern pflege sie auch. Ich gehe mit ihr spazieren, so weit wie mir das eben möglich ist.“ Am Ende der WM steht sogar ein ganzer Medaillensatz zu Buche: Silber mit dem Team und Bronze in der Kür.“

„Dass wir jetzt wirklich beide hier fahren dürfen, gemeinsam in einem Team, davon haben wir immer geträumt.”

Für Anna Sandmann ging bei den Weltmeisterschaften in Aachen ein Kindheitstraum in Erfüllung. Schon als Mädchen war sie in der Soers dabei, als ihr Vater Christoph Sandmann bei der WM 2006 Teamgold und Einzelbronze holte. In diesem Jahr gehörte sie gemeinsam mit ihm zum deutschen Team im Vierspännerfahren. „Das ist etwas ganz Besonderes. Dass wir jetzt wirklich beide hier fahren dürfen, gemeinsam in einem Team, davon haben wir immer geträumt“, berichtet sie. Am Ende liefert Anna Sandmann als Sechste der Einzelwertung das beste Ergebnis für Deutschland, im Team reicht es knapp nicht für einen Platz auf dem Podium.

Foto: Stefan Lafrentz

Foto: Stefan Lafrentz

„Von mir aus hätte es auch noch stärker regnen können. Das war in dem Moment sowas von egal.”

Volles Haus und elektrische Stimmung beim Mannschaftsfinale Springen – und noch größere Freude: GOLD für Deutschland! Souverän, kein Springfehler in der Wertung, mit einer geschlossenen Teamleistung. Trotz strömenden Regens frenetisch bejubelt. „Von mir aus hätte es auch noch stärker regnen können. Das war in dem Moment sowas von egal. Die Freude war so groß und das Publikum ist dageblieben, hat uns selbst in der Siegerehrung noch riesig gefeiert. Das war schon pure Gänsehaut“, so Marcus Ehning, der in seiner Karriere schon viel erlebt hat. „Das war nun meine siebte Weltmeisterschaft. Jetzt zum zweiten Mal Mannschaftsweltmeister zu werden, das ist schon mehr als besonders.“

Sabine Gregg, Maike Hoheisel-Popp

Vorheriger Artikel

Ausgabe 09/2026
Titelthema: Altersgerechte Ausbildung junger Pferde 

Nächster Artikel

Ausgabe 09/2026
WM Aachen 2026: Fazit im Interview