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Gesundheit kompakt
Winterfell
Foto: Christiane Slawik
Der Sommer ist kaum zu Ende und schon bekommen die ersten Pferde dickeres Fell. Das Winterfell ist da! Entscheidend dafür sind nicht etwa die sinkenden Außentemperaturen, sondern die kürzer werdenden Tage. Weniger Licht bedeutet, dass mehr Melatonin gebildet wird. Und das ist für den Körper das Startsignal, eine Hormonkaskade in Gang zu setzen und Winterfell zu bilden.
Fell mit Funktion
Warum eigentlich der Wechsel von Sommer- auf Winterfell? Grund sind die natürlichen Mechanismen der Thermoregulation der Pferde. Hierbei geht es darum, die Körperkerntemperatur des Pferdes gleichmäßig zwischen 37,5 und 38,5 Grad Celsius zu halten. Durch das Aufstellen der längeren Haare wird bei niedrigen Temperaturen die Isolationsfunktion durch eine dadurch entstehende zusätzliche Luftschicht verstärkt. Zusätzlich wirkt die Anordnung der Haare zusammen mit den Talgdrüsen der Haut wasserableitend. Bei Schneefall lässt sich eine funktionierende Isolationsfunktion gut daran erkennen, dass der Schnee auf dem Fell der Pferde liegen bleibt. Werden Pferde ganzjährig oder über einen längeren Zeitraum ganztägig draußen gehalten, ist dennoch ein Witterungsschutz notwendig. Diesen können die Pferde bei anhaltendem Regen, Wind, Kälte oder Schnee aufsuchen, um sich zu schützen. Denn ist das Fell einmal richtig durchnässt, sind auch die natürlichen Regulationsfunktionen außer Kraft gesetzt und das Pferd kann auskühlen.
Scheren und Eindecken
Der Fellwechsel verlangt dem Pferd viel ab und teilweise wird während dieser Zeit sogar eine Leistungsminderung wahrgenommen. Um dem zu entgehen, greifen viele Pferdehalter auf ein frühzeitiges Scheren und Eindecken zurück. Dadurch werden jedoch die natürlichen Thermoregulationsmechanismen eingeschränkt. Daher sollte immer individuell entschieden werden, ob ein Eindecken wirklich unbedingt notwendig ist! Bei Pferden, die beim Training stark schwitzen, kann das Scheren zu einer schnelleren Regeneration beitragen. Oft reicht bereits das Scheren der stark schwitzenden Bereiche an Hals, Brust und Bauch oder ein sogenannter Deckenschnitt, bei dem der Rückenbereich des Pferdes nicht geschoren wird. Die genutzten Decken müssen das fehlende Fell in der kalten Jahreszeit ausgleichen, dürfen aber – je nach Witterung – auch nicht zu warm sein.
Kälteempfinden
Das Kälteempfinden von Pferd und Mensch ist komplett anders. Nur weil der Mensch friert, gilt das noch lange nicht fürs Pferd. Auch im Winter benötigen Pferde ausreichend frische Luft und die Fenster in Stallgebäuden sollten durchgehend geöffnet bleiben. Die Entscheidung für eine Decke, darf nicht vom Kälteempfinden des Menschen abhängen! Gut zu wissen: Fellstruktur und Hautdicke sind je nach Rasse unterschiedlich. Manche Rassen sind daher besser an die kältere Witterung angepasst als andere. Auch können alte und kranke Pferde die Körperkerntemperatur manchmal schlechter halten, beziehungsweise müssen mehr Energie dafür aufwenden, daher kann hier eine Decke durchaus sinnvoll sein.
Eva Borg
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