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Vom Fohlen zum Jungpferd
Gutes Management als Erfolgsfaktor
Gute Pferde werden nicht einfach geboren, sie werden gemacht. Schon das Management der Zuchtstute und die Aufzucht legen den Grundstein für ein gesundes Pferdeleben. Wie der Weg vom Fohlen zum Jungpferd aussehen kann und welche Faktoren es zu berücksichtigen gilt, verraten Züchter Franz-Georg Ottmann und Dr. Alexandra Görgens, Fachtierärztin für Reproduktionsmedizin.
Die Aufzuchtbedingungen prägen junge Pferde maßgeblich und spielen eine entscheidende Rolle für ihren späteren Einsatz. Foto: Christiane Slawik
Als Philipp Weishaupt mit Zineday bei den Olympischen Spielen 2024 an den Start ging, da saß auch Franz- Georg Ottmann auf seinem Hof bei Osnabrück vor dem Fernseher und fieberte mit. Der Westfale Zineday wurde auf dem Gestüt von Ottmann und seiner Frau Hedda geboren und aufgezogen. „Auch wenn wir sie später verkaufen, es bleiben immer irgendwie unsere Pferde“, sagt Ottmann. Für eine Medaille reichte es bei Olympia nicht, doch der Fuchs, der EM-Silber gewann, zeigte beeindruckende Runden in Paris. Zineday ist nur eines der Beispiele für den Zuchterfolg der Familie. Der liegt vor allem in der Aufzucht begründet. „Ein gutes Reitpferd entsteht schon in den ersten Lebensjahren. Die Fehler, die in dieser Zeit gemacht werden, kann man zum Teil niemals reparieren“, sagt Ottmann. Deshalb sei die richtige Aufzucht für das Gestüt auch kein Kostenfaktor, sondern eine Investition. Die Maxime von Franz-Georg Ottmann und seiner Frau lautet: „Nur aus dem Guten kann Bestes entstehen.“ Dass ein gesundes Pferdeleben weit vor dem Anreiten beginnt, davon ist auch Dr. Alexandra Görgens überzeugt. Für die Fachtierärztin für Reproduktionsmedizin und Geschäftsführerin der Pferdeklinik Mühlen fängt gute Aufzucht schon vor der Geburt an, und zwar mit einer gesunden Mutterstute. „Eine Stute nimmt nur auf, wenn sie in gutem Allgemeinzustand ist. Außerdem beeinflussen natürlich die Wahl von Stute und Hengst, was für ein Fohlen am Ende herauskommt“, betont Dr. Görgens. In der Pferdeklinik in Mühlen gehören Reproduktions- und Fohlenmedizin zum Alltag. Besamung, Eizellenentnahme und Embyronentransfers sind ebenso Teil der Arbeit wie die Betreuung tragender Stuten und ihrer Fohlen. Die Aufzucht wird von Anfang an begleitet.
Der Traum vieler Züchter, für Franz-Georg Ottmann ein wahrgewordener: der von ihm gezüchtete Zineday als Fohlen noch neben seiner Polydor-Mutter bei Fuß und zehn Jahre später dann mit Philipp Weishaupt im Sattel bei den Olympischen Spielen. Fotos: Equitaris, Stefan Lafrentz
Gesunde Stute als Basis
„Sobald die Stute tragend ist, sollte man Ernährung, Haltung und mentale Gesundheit weiter optimieren“, so Dr. Görgens. Nicht alles lasse sich beeinflussen, wohl aber die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung des Fohlens. „Wenn eine Stute dauerhaft am Ernährungsminimum ist, kann man kein gut entwickeltes Fohlen erwarten. Fehlen Mineralstoffe und Vitamine, dann leidet das Immunsystem, und auch die Knochen entwickeln sich nicht optimal.“ Diese Erfahrung macht auch Züchter Ottmann seit Jahrzehnten: „Während der Trächtigkeit ist hochwertiges Futter wichtig, vor allem gutes Raufutter. Das A und O ist die Qualität. Wir machen unser eigenes Heu und Stroh.“ Auch eine gute Versorgung mit Mineralien und Vitaminen haben er und sein Team im Blick. Hinzukommen Ruhe und Kontinuität sowie möglichst wenig Stress. „Wir gehen mit Stuten und Fohlen heute deutlich schonender um, als man es früher gemacht hat. Wir achten viel stärker auf die Psyche.“ Die Stuten bleiben in der Gruppe im Laufstall. Nur zum Abfohlen kommen sie bei Ottmann in Einzelboxen, damit sie die nötige Ruhe haben. Bereits wenige Tage nach der Geburt kehren Stute und Fohlen wieder in die Herde zurück.
Bewegung und Gemeinschaft
Die eigentliche Aufzucht beginnt mit den ersten Lebenstagen des Fohlens. Für Ottmann steht fest: „Ein gutes Reitpferd entsteht in den ersten Lebensjahren.“ In dieser Zeit entwickeln sich Sehnen, Knochen und Gelenke ebenso wie das Sozialverhalten und die Psyche. Was in dieser Phase versäumt wird, lasse sich später oft nur schwer oder gar nicht korrigieren. Deshalb setzt der Züchter auf möglichst naturnahe Bedingungen. „Bei uns legen wir Wert auf tägliche Bewegung, große Weiden und Gruppenhaltung. Es gibt kein Trainingsprogramm, dass das Zusammenleben mit anderen Fohlen ersetzen kann“, sagt Ottmann. Wenn das Wetter es zulässt, gehen die Fohlen mit ihren Müttern schon nach wenigen Tagen auf die Weide und wachsen im Herdenverband auf. An gleichaltrigen Kameraden mangelt es auf den beiden Höfen der Familie Ottmann nicht: 20 bis 30 Fohlen werden dort jedes Jahr geboren. Die Fohlen lernen das Zusammenleben, das Verhalten in der Gruppe und auch, dass es eine bestimmte Rangordnung gibt. „Dabei entwickeln sie nicht nur soziale Kompetenzen, sondern auch Gelassenheit im Umgang mit neuen Situationen. Sie lernen eine gewisse Stressresistenz“, sagt Ottmann. Diese frühen Erfahrungen wirkten sich später auf den Charakter und die Rittigkeit der Pferde aus. Auch Dr. Alexandra Görgens hält Bewegung und Herdenhaltung für zentrale Bausteine einer gesunden Entwicklung.
Die ersten Stunden nach der Geburt sind entscheidend: Hier muss das Fohlen nicht nur für die Ausbildung seines Immunsystems wichtige Kolostrum aufnehmen. Tierärzte oder erfahrene Züchter können außerdem bereits mögliche Fehlstellungen erkennen und bei Bedarf frühzeitig reagieren – für beste Startchancen ins Leben. Foto: Regina Gabler/galoppfoto.de
Züchter mit Weitblick – für Franz-Georg Ottmann und seine Frau Hedda Droege-Ottmann sind gute Aufzuchtbedingungen kein Kostenfaktor, sondern die Basis von allem und eine Investition, die sich auszahlt. Foto: Equitaris/ Dr. Tanja Becker
„Wir sehen deutlich weniger Probleme bei den Fohlen, wenn die Stute viel Bewegung hat“, sagt die Tierärztin. Ideal sei es, wenn die Fohlen schon kurz nach der Geburt regelmäßig auf die Weide könnten. Frühe Geburtstermine sieht sie daher durchaus kritisch. Es gäbe Züchter, die sich ein Abfohlen im Januar oder Februar wünschen, um später einen Vorteil zu haben. Medizinisch sei das möglich, es gäbe Wege, die Rosse zu beschleunigen. Entscheidend sei aber, ob der Betrieb die Voraussetzungen dafür bieten könne. „Wenn ich ein Januar- Fohlen habe, aber nicht genügend überdachte Bewegungsmöglichkeiten und keine weiteren Fohlen, dann sind das keine guten Voraussetzungen.“
Check nach der Geburt
Bereits die ersten Stunden nach der Geburt sind entscheidend. Das Wichtigste ist, dass das Fohlen möglichst schnell die Biestmilch, das sogenannte Kolostrum, trinkt. Sie enthält Antikörper, die es für sein Immunsystem braucht. Gleichzeitig beginnt für Züchter Ottmann bereits die genaue Beobachtung. „Fehlstellungen kann man schon in den ersten Stunden erkennen. Wichtig ist, genau hinzugucken und selbstkritisch zu sein. Wenn man Probleme früh erkennt, kann man gemeinsam mit Tierarzt oder Hufschmied noch viel korrigieren.“ Fehlstellungen gehören nicht zum Alltag, kommen aber immer wieder vor. „Wir züchten die Pferde immer langbeiniger und moderner. Da passiert es auch, dass mal etwas nicht passt.“ Gerade dann sei Bewegung essenziell. Sie fördert die Entwicklung des Bewegungsapparates und korrigiert manches von selbst. „Auch deswegen versuchen wir, die Fohlen so naturnah wie möglich aufzuziehen“, so Ottmann. „Augen, Nabel und ob das Fohlen korrekt auf den Beien steht, das sind die Dinge, die wir als Erstes kontrollieren“, sagt Dr. Alexandra Görgens. Der erste Check direkt nach der Geburt gehört für sie zur Sorgfaltspflicht. Doch damit ist es nicht getan. Auch auf der Weide müsse der Gesundheitszustand täglich kontrolliert werden. „Bei Fohlen kann aus einem kleinen Hufproblem innerhalb kürzester Zeit zum Beispiel ein Bockhuf werden, wenn es unbemerkt bleibt“, so Dr. Görgens. Trotzdem ist für die Tierärztin eine Haltung Tag und Nacht draußen die beste Variante. Auch draußen könne man Fohlen engmaschig beobachten.
Zu wenig Ruhe und Schlafmangel gefährdet auch bei Pferden die Gesundheit. Daher gilt auch für die Aufzucht: Ausreichend Platz und Liegeflächen sollten gegeben sein, damit selbst rangniedrige Pferde ihre Pausen bekommen. Foto: Christiane Slawik
Werden Fohlen zu früh oder unter großem Stress von der Mutter getrennt, kann dies negative Folgen für den Rest des Lebens haben. Daher sollte beim Absetzen behutsam vorgegangen werden.
Risikofaktoren
Bei der Ernährung gilt für Dr. Alexandra Görgens zunächst ein einfacher Grundsatz: Ist die Stute gut versorgt, ist es auch das Fohlen. „Man sollte beobachten, ab wann und wie viel die Fohlen bei ihren Müttern mitfressen und entsprechend reagieren.“ Nach einiger Zeit empfiehlt sie, Fohlenstarter zuzufüttern. „Spätestens ab dem vierten Monat, oft aber schon eher, reicht allein die Muttermilch nicht mehr aus, um den Nährstoffbedarf der Fohlen vollständig zu decken.“ Besonders am Herzen liegen der Tierärztin zwei Erkrankungen, die bei Fohlen oft unterschätzt werden: Koliken und Magengeschwüre. „Das kommt leider deutlich häufiger vor, als viele glauben“, sagt Dr. Görgens. Noch immer gäbe es Züchter, die meinten, Fohlen könnten keine Kolik bekommen. „Aber jedes Lebewesen mit einem Magen-Darm-Trakt kann eine Kolik entwickeln.“ Auch Magengeschwüre seien keineswegs selten. Ein wesentlicher Risikofaktor sei Stress, insbesondere rund um das Absetzen. „Wird ein Fohlen zu früh oder unter großem Stress von der Mutter getrennt, kann das teilweise erhebliche Folgen haben. Das Immunsystem fährt herunter, Magengeschwüre entstehen und auch die Entwicklung kann sich verzögern.
Die Fohlen können dadurch auch anfälliger für andere Erkrankungen werden.“ Je älter die Fohlen seien, desto besser könnten sie diesen Einschnitt verkraften. Deshalb empfiehlt Dr. Görgens, das Absetzen gut vorzubereiten und den Stress möglichst gering zu halten. Unterstützend kann ein Magenschutz sinnvoll sein.
Absetzen und Ausbildung
Wenn die Zeit zum Absetzen auf den Höfen von Franz-Georg Ottmann gekommen ist, dann versucht man den Stress zu minimieren. Die Fohlen bleiben gemeinsam in ihrer Gruppe, während die Stuten nach und nach herausgenommen werden. „Das ist schonender. Manche Fohlen merken erst nach ein paar Stunden, dass ihre Mutter gar nicht mehr da ist“, sagt Ottmann.
Abgesetzt wird heute in der Regel im Alter von sechs Monaten. „Wir variieren den Zeitpunkt so, dass es für die Herde passt.“ Anschließend werden die Fohlen nach Geschlechtern getrennt, wachsen aber weiterhin in Gruppen auf. Laufstall im Winter, Weide im Sommer. „Die Gruppenhaltung gibt den Jungpferden Sicherheit und reduziert den Stress“, so Ottmann. Auf Ottmanns Gestüt bleiben die Jährlinge das erste Jahr zusammen. Dann werden die Hengste, die für die Körung vorbereitet werden, von den anderen getrennt. Die entsprechende Vorbereitung beginnt dann im Alter von zweieinhalb Jahren. „Sie werden nicht geritten, aber sie lernen den Umgang mit Menschen, Longieren, Freispringen, das Vorführen und Mustern“, so Ottmann. Durch die Arbeit und angepasste Fütterung entwickelten sich die Junghengste nun anders als ihre Altersgenossen. Alle übrigen Pferde werden im Alter von drei Jahren angeritten. Der Kontakt zum Menschen beginnt allerdings deutlich früher. „Das machen wir von Anfang an. Eine gute Aufzucht bedeutet auch, dass die Fohlen positive Erfahrungen mit Menschen sammeln.“ Auch Dr. Alexandra Görgens hält diesen frühen Kontakt für einen wichtigen Baustein. „Wenn Fohlen früh lernen, die Hufe zu heben, am Halfter zu gehen und verladen zu werden, bedeutet das später weniger Stress.“ Fehlen solche Erfahrungen, prasseln beim Anreiten sehr viele neue Eindrücke auf das junge Pferd ein.
Das Fohlen-ABC mit Alltagshandlungen wie Halfter tragen, sich führen lassen, Hufe heben oder geputzt werden, lässt das junge Pferd Erfahrungen sammeln und erspart Stress im späteren Leben.
Positive Erfahrungen mit Menschen sammeln, gehört bei einer guten Aufzucht dazu. Fotos: Christiane Slawik
„Dann muss es plötzlich verladen werden, steht in einem fremden Stall, hat neue Nachbarn, ein neues Futter – das überfordert viele Pferde“, so Dr. Görgens. Wer Fohlen von Anfang an behutsam an neue Situationen heranführe, erleichtere ihnen den späteren Start erheblich. „Mit drei Jahren beim Anreiten sind die Pferde einfach noch recht jung. Da müssen wir genau überlegen, was und wie viel altersangemessen ist“, sagt Dr. Görgens, die selbst ein bis drei Fohlen im Jahr zieht.
Stute prägt den Charakter
„Schon ganz jung lernen die Fohlen ihre Menschen kennen“, sagt Züchter Ottmann. Durch die engmaschige Beobachtung fällt nicht nur auf, wenn etwas nicht stimmt, es zeigen sich auch Unterschieden im Charakter. Manche seien neugierig und mutig, andere vorsichtig oder sehr temperamentvoll. Gerade deshalb misst Ottmann den Stuten eine besondere Bedeutung bei. „Sie prägen ihre Fohlen durch den täglichen Umgang am meisten. Ihr Charakter ist die Grundlage für den Charakter der Fohlen.“ Die wichtigste Selektion finde auf seinem Gestüt deshalb bei den Mutterstuten statt. „Natürlich wählen wir die Hengste mit Bedacht aus. Aber aus meiner Sicht sind die Stuten in ihrer Vererbungsleistung viel entscheidender.“
Idealerweise wachsen Fohlen mit ihren Müttern im Herdenverband auf und entwickeln so von klein auf ihre sozialen Kompetenzen – denn diese Erfahrungen kann ihnen später niemand ersetzen. Fotos: Christiane Slawik
Ist eine Stute tragend oder soll sie tragend werden, kommt der Fütterung besondere Beutung zu. Wer hier spart, spart am falschen Ende. Denn die Qualität der Versorgung der Mutterstute wirkt sich unmittelbar auf das (noch ungeborene) Fohlen aus.
Auch Dr. Alexandra Görgens plädiert dafür, den Blick stärker auf die Mutterstuten zu richten. „Zum Glück haben sie heute in der Zucht einen ganz anderen Stellenwert als früher.“ Inzwischen wisse man, wie groß ihr Einfluss auf die Entwicklung des Fohlens tatsächlich ist. Umso wichtiger seien Haltung und Management der tragenden und säugenden Stuten. Gerade bei der Bewegung im Winter sieht die Tierärztin noch Verbesserungspotenzial.
Gute Aufzucht als Investition
Gene alleine machen kein gutes Reitpferd. Und auch die beste Aufzucht kann nicht jede Schwierigkeit verhindern. Krankheit, Verletzungen und Entwicklungsstörungen gehören zum Risiko der Pferdezucht. Umso wichtiger ist es, die Faktoren zu optimieren, die sich beeinflussen lassen. „Unser Ziel ist ein gesundes und leistungsbereites Reitpferd, aber der Weg dahin ist lang und mit vielen Unwägbarkeiten verbunden“, so Ottmann. Eine gute Aufzucht sei deshalb keine Nebensache, sondern eine Investition in die Zukunft des Pferdes, betont er.
Fehler in den ersten Lebensjahren können lebenslange Folgen haben. Den fehlenden Kontakt zu Menschen könne man mit viel Geduld vermutlich irgendwann ausgleichen, aber die Stellung der Fohlen auf allen vier Füßen lässt sich nachträglich nur schwer korrigieren. „Werden notwendige orthopädische Maßnahmen versäumt, dann zahlt man dafür später“, so Dr. Alexandra Görgens. Etwa, wenn aufwendige Behandlungen oder Spezialbeschläge nötig sind. Auch eine Unterversorgung an Mineralstoffen und Vitaminen während der Trächtigkeit oder in den ersten Lebensmonaten hinterlasse Spuren. „Gute Knochen, Sehnen und Gelenke werden in jungen Jahren angelegt. Fehler beim Entwurmen oder bei der Mineralstoffversorgung kann der Stoffwechsel später nicht mehr ausgleichen“, sagt Franz-Georg Ottmann. Für ihn läuft alles auf eines hinaus: gutes Management. „Mir nützt die beste Genetik nichts, wenn ich mit dem Hufschmied und in anderen Bereichen der Aufzucht schludere“, sagt Ottmann. Wer seine Tiere täglich beobachte, könne Veränderungen frühzeitig erkennen und rechtzeitig eingreifen. Wenn ein Betriebsleiter ein gutes Auge habe, sei das viel Wert. Gravierende Aufzuchtfehler kann man auch später noch erkennen. „Oder auch nicht“, ergänzt er. Denn viele dieser Pferde sehe man im Sport dann gar nicht.
Wie der gesamte Pferdesport sei auch die Pferdezucht in den vergangenen Jahren deutlich kostenintensiver geworden. Züchten muss man sich leisten können. Umso wichtiger sei es, an der Aufzucht nicht zu sparen, sagt Ottmann. „Es wäre fahrlässig, sich nicht gut zu kümmern“. Auf seinem Gestüt endet die Verantwortung nicht mit dem Absetzen oder einem frühen Verkauf. „Wir begleiten unsere Pferde von der Geburt bis zu ihrer sportlichen Ausbildung und dem späteren Verkauf“, so Ottmann. Und selbst dann ist die Geschichte für ihn noch nicht zu Ende.
Was für alle Pferde gilt, gilt für Jungpferde in besonderem Maße: Hochwertiges Futter mit qualitativ einwandfreiem, sehr gutem Raufutter bildet die Basis für ein gesundes Aufwachsen. Foto: Christiane Slawik
Die Entwicklung seiner Pferde verfolgt er oft über viele Jahre weiter. So wie bei Zineday, der inzwischen in den USA lebt. Wenn Ottmann ihn und seine anderen Erfolgspferde heute im Spitzensport sieht, fühlt er sich bestätigt in dem, woran er seit Jahrzehnten glaubt: Gute Pferde werden nicht einfach geboren. Sie werden gemacht.
Mirjam Rüscher
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